Temperatursummenregelung — warum starre Sollwerte überholt sind
Die meisten Gärtner kennen es: Tagsüber heizt die Sonne das Haus auf 26 °C — der Klimacomputer kühlt teuer per Lüftung herunter. Nachts fällt die Temperatur, der Kessel feuert volle Pulle, um den 18-°C-Sollwert zu halten. Das Ganze nennt sich Standardregelung. Das Ganze ist auch teuer, suboptimal für die Pflanze und seit über 30 Jahren nicht mehr Stand der Technik.
Die Alternative: Temperatursummenregelung. Sie nutzt die Tatsache, dass viele Pflanzen nicht auf den Sollwert eines einzelnen Moments reagieren, sondern auf die mittlere Temperatur über 24 Stunden oder mehrere Tage. Wer das versteht und seine Regelung darauf einstellt, spart Energie und verbessert die Pflanzenqualität gleichzeitig.
Das physiologische Prinzip
Pflanzenwachstum ist temperaturabhängig — aber nicht punktuell, sondern integrativ. Die Wachstumsrate über einen Tag hängt von der durchschnittlichen Tagestemperatur ab, nicht davon, ob die Temperatur konstant 18 °C war oder zwischen 14 und 22 °C schwankte.
Das eröffnet einen Spielraum: Wenn die Sonne das Haus tagsüber kostenlos auf 24 °C aufheizt, darf die Nachttemperatur tiefer fallen. Der Tagesmittelwert bleibt gleich, die Pflanze wächst genauso schnell — aber die Heizkosten sinken erheblich.
Was ist DIF?
DIF = Day/Night Temperature Difference — die Differenz zwischen Tag- und Nacht-Solltemperatur.
- Positive DIF: Tag wärmer als Nacht (z. B. 22 °C Tag / 18 °C Nacht, DIF = +4)
- Null DIF: Tag und Nacht gleich
- Negative DIF: Nacht wärmer als Tag (z. B. 16 °C Tag / 20 °C Nacht, DIF = –4)
Der Clou: Die Internodienlänge (also wie gestreckt die Pflanze wächst) hängt direkt vom DIF ab. Hohes positives DIF = lange Internodien, gestreckter Wuchs. Negatives DIF = kompakter Wuchs.
In der Praxis heißt das:
- Für Topfpflanzen, die kompakt bleiben sollen (Poinsettien, Pelargonien, viele Zierpflanzen): negatives oder leicht negatives DIF einsetzen
- Für schnitt- und streckungsorientierte Kulturen (manche Schnittblumen, Tomatenjungpflanzen vor Auspflanzung): positives DIF nutzen
- Für wuchsneutrale Kulturen: Standard-DIF um 0 bis +2
Negative DIF ersetzt damit in vielen Betrieben den Einsatz chemischer Wachstumsregulatoren — ein erheblicher Pluspunkt für nachhaltigen Pflanzenbau.
Pre-Night und Pre-Day — die Feinabstimmung
Innerhalb der DIF-Strategie sind die Übergangsphasen entscheidend:
- Pre-Night (Vornacht): Die letzten ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang. In dieser Phase wirkt die Temperatur besonders stark auf die Streckung. Eine kurzfristige Absenkung der Pre-Night-Temperatur (5–8 K unter Tagessollwert) für 1–2 Stunden hat ähnliche Wirkung auf den Habitus wie negatives DIF — bei geringerem Energieaufwand.
- Pre-Day (Vortag Morgendämmerung): Die Phase vor Sonnenaufgang. Eine sanfte Temperaturerhöhung 30–60 Minuten vor Tagesbeginn bereitet die Pflanze auf die Photosynthese vor und verbessert die Stomataöffnung.
Beide Phasen sind im RAM CC600 als separate Sollwertphasen parametrierbar.
Tagesmitteltemperatur (TMT) — die übergeordnete Steuergröße
Über DIF und Pre-Night hinaus arbeitet die Temperatursummenregelung mit einem Tagesmittel-Sollwert als oberste Vorgabe.
Beispiel:
- Soll-TMT: 18 °C
- Sonniger Tag: Temperatur erreicht 22 °C
- Daraus folgt: Nachttemperatur darf bei ~14 °C liegen, ohne dass die Pflanze unter der Vorgabe wächst
Der Klimacomputer berechnet die zulässige Nachttemperatur prädiktiv auf Basis des Tagesverlaufs und der Wettervorhersage. Wird tagsüber zu wenig Wärme eingesammelt (bewölkter Tag), zieht der Regler die Nachttemperatur hoch — wird viel Solarwärme eingesammelt, geht es nachts weiter herunter.
Welche Einsparung kommt dabei heraus?
In typischen Zierpflanzen-Betrieben in Süddeutschland: 8 bis 15 Prozent Heizenergieeinsparung allein durch Umstellung von starrem Tag/Nacht-Sollwert auf eine echte Temperatursummenregelung. In Kombination mit Wettervorhersage und Pufferspeichermanagement steigt die Gesamteinsparung auf 15–30 Prozent.
Wo Temperatursummenregelung an Grenzen stößt
Damit nichts überverkauft wird: Bei einigen Kulturen ist der Spielraum begrenzt.
- Phalaenopsis-Treiberei: sehr enge Temperaturfenster, DIF-Strategien nur eingeschränkt nutzbar
- Lichtsensitive Kulturen mit kurzen Tageslängen-Anforderungen: Hier dominieren andere Effekte
- Stark gemischte Kulturen in einem Haus: Kompromisstemperaturen reduzieren den Effekt
Eine seriöse Inbetriebnahme prüft kulturspezifisch, wo DIF-Strategien sinnvoll und wo sie kontraproduktiv sind.
Fazit
Temperatursummenregelung ist eine der wenigen Optimierungen, die Pflanzenqualität und Energiekosten gleichzeitig verbessert. Wer noch mit klassischen festen Sollwertkurven arbeitet, verschenkt zweistellige Prozentwerte beim Energieverbrauch — und gibt Streckung und Habitus aus der Hand.
Verwaltungsgebäude (2.000 m²)
Durch den Einsatz des CC600-Systems lassen sich Energiekosten deutlich reduzieren – bei gleichzeitig kurzer Amortisationszeit dank staatlicher Förderung.
(Alle Werte sind Richtwerte und abhängig von Anlage, Nutzung und aktuellen BAFA-Richtlinien.)
Situation | Empfehlung | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Defekt einzelner Sensoren/Aktoren | Reparieren | ||||||||
Hardwareausfall | Reparieren prüfen | ||||||||
Hardwareausfall, Ersatzteile End-of-Life | Ersetzen | ||||||||
Funktionsfähig, aber keine Wettervorhersage | Modernisierung erwägen | ||||||||
Anlage > 15 Jahre, | Ersetzen | ||||||||
Erweiterung geplant | Ersetzen | ||||||||
Häufige Fragen
Solange er stabil läuft und keine kritischen Ersatzteile benötigt, nicht zwingend. Aber: Planen Sie den Wechsel proaktiv, nicht reaktiv — die Lieferzeiten für komplette Neuanlagen liegen aktuell bei 8–14 Wochen.







